Das Bauhaus hat vor hundert Jahren auch im Bereich Design eine neue Ära eingeläutet. Wie präsent ist es heute für Sie als Produktdesigner?

Jörg Boner: Im Bewusstsein ist es weit hinten. Effektiv aber, so denke ich, hat es nach wie vor einen grossen Einfluss auf meine Arbeiten. Damit verbinde ich weniger eine formale Referenz als eine inhaltliche. Konkret gehört dazu das Bestreben, eine industrielle, sprich rationelle Produktion insofern zu beeinflussen, dass sie human bleibt, Zeitzeichen setzt, Anmut voraussetzt und Schönheit formt. Das begleitet mich täglich.

Wie viel Bauhaus steckt in Ihren heutigen Designentwürfen?

JB: Formal wohl wenig, inhaltlich viel.

Gibt es bezüglich Design Ideen aus der Bauhauszeit, die vergessen gingen und heute aber wieder hervorholen sollte?

JB: Jede Idee hat eine Abhängigkeit zur Zeit, in der sie entsteht. Insofern glaube ich kaum, dass man Bauhaus-Ideen einfach wieder hervornehmen kann. Die Industrie sieht heute komplett anders aus als damals. Die Themen haben sich verändert. Die Dringlichkeiten ebenfalls. Was bleibt, ist der Anspruch an die Dinge.

Eine Prämisse des Bauhauses war es, preiswerte und funktionale Produkte zu entwerfen. Etwas, was damals kaum erfüllt werden konnte. Heute bietet Ikea genau solche Dinge an: Ist das schwedische Möbelhaus quasi der Nachfolger des Bauhauses?

JB: Das bezweifle ich. Preiswerte und funktionale Produkte ist eine typische Idee aus dieser Zeit. Wir bezahlen schon lange nicht mehr den Preis, den ein Produkt tatsächlich kostet. Wir sind da schon längst im Minusbereich. Und das bringt ganz viele neue Probleme mit sich, die man zu Zeiten des Bauhauses noch nicht hatte: Umweltverschmutzung, Ausbeutung oder die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Soziale Gerechtigkeit müssen wir heute anders bewerkstelligen als mit preiswerten Produkten für alle.

Jörg Boner
Produktdesigner

Das Bauhaus ist immer noch eine inhaltliche Referenz.

Jörg Boner

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