Der neue Holzmodulbau auf dem Areal der Schule Feldmeilen in Meilen am Zürichsee fügt sich sanft ins Ensemble der Schulgebäude ein. Er bietet auf zwei Stockwerken Platz für drei Schuklassen sowie die schulergänzende Betreuung.

Fotos: Beat Schweizer

Die Freude stand Schulpräsidentin Cordula Kaiss und Liegenschaftenvorstand Peter Bösch in ihre Gesichter geschrieben, als sie am 2. Juni das rote Band vor dem Eingang des neuen Holzmodulbaus der Primarschule Feldmeilen durchschneiden durften. Nur gerade zwei Jahre nachdem das Volk dem Kredit in der Höhe von 5,3 Millionen Franken zugestimmt hatte, konnten sie die neuen Räume übergeben. Der zur Gemeinde Meilen am rechten Zürichseeufer gehörende Ortsteil Feldmeilen ist dank schönen Wohnlagen und schnellem S-Bahnanschluss nach Zürich ein gefragter Wohnort, der auch viele Familien anzieht. Während langer Zeit wuchs die Zahl der Schülerinnen und Schüler sehr stark. Und weil die Gemeinde davon ausging, dass dieser Trend anhalten würde, fasste sie 2021 den Neubau eines weiteren Schulgebäudes auf einer Parzelle neben dem Schulgelände ins Auge. Zur Überbrückung während der Planungs- und Bauzeit sollte für 10 bis 15 Jahre ein Provisorium auf dem bestehenden Schulareal erstellt werden. Doch dann zeigte die Schülerzahlprognose 2023 für die Zukunft eine mehrjährige Stagnation oder gar einen leichten Rückgang an. Deshalb entschied sich die Gemeinde, die Planung eines Neubaus nicht weiterzuverfolgen. Um den – wenn auch wesentlich kleineren – zusätzlichen Raumbedarf trotzdem decken zu können, wurde das bereits geplante Projekt fürs Provisorium auf die neuen Bedürfnisse angepasst und auf dem bestehenden Schulareal weiterverfolgt. «Mit dieser Option war es möglich, die Räume rasch bereitstellen zu können», sagt Sonya Schwarz, die das Projekt auf Seite der Gemeinde begleitet hat. Gleichzeitig biete ein solches Gebäude eine hohe Flexibilität, um schnell auf ändernde Bedürfnisse reagieren zu können – etwa durch eine spätere Erweiterung oder das Versetzen an einen anderen Standort.

Die Atmosphäre der neuen Räume ist modern und einladend.

Sonya Schwarz, Projektleiterin Gemeinde Meilen

Keine interne Verbindung

Die Gemeinde beauftragte Bauart Architekten mit der Planung des Holzmodulbaus. Gefordert waren Flächen für drei Klassenzimmer, drei Gruppenräume sowie Räume für die schulergänzende Betreuung (Hort). Das heutige Gebäude baut auf dem Konzept «Modular W» von Bauart Architekten auf, das sich unter anderem in Winterthur mehrfach bewährt hat. Eine Herausforderung bildeten die engen Verhältnisse des Aussenraums in Feldmeilen: Die zur Verfügung stehende Fläche am Südostrand des Schulareals ist begrenzt durch einen Hang, eine vorbeiführende Strasse, Parkplätze und das angrenzende Schulgebäude. Zudem sollte der Baumbestand möglichst wenig tangiert werden. «Als optimale Lösung kristallisierte sich ein Zweispänner heraus», sagt Jeanette Vernale, die das Projekt bei Bauart leitete. Das rund 25 Meter lange und 19 Meter breite Gebäude steht parallel zur Grundstückgrenze und umfasst zwei Geschosse: Im Erdgeschoss ist die Betreuung untergebracht, darüber die Schul- und Gruppenräume. Basis für die Grundrisskonfiguration bilden Module mit 7,2 Metern Länge und 3,6 Metern Breite. Je sieben Stück sind quer zum Korridor angeordnet, je vier weitere bilden die Korridorzone. Um Platz zu sparen, wurde auf eine interne Treppe verzichtet. «Die beiden Nutzungen – Betreuung und Schulräume – benötigen keine direkte Verbindung, und das Obergeschoss konnte durch die Hanglage gut von oben her erschlossen werden», sagt Projektleiterin Vernale. Die Schulkinder gelangen über den sogenannten Baumweg, eine aus Holz erstellte Brücke, vom oberen Pausenplatz direkt zu den Schulzimmern. Eine ebenfalls aus Holz bestehende Treppe verbindet die Brücke mit dem unteren Pausenplatz und dem Zugang zur Betreuung im Erdgeschoss. Dort empfängt eine gedeckte Veranda die Kinder. Durch drei tiefliegende Bullaugen können sie in den Garderobenbereich oder von dort nach draussen blicken. Die separat angeordnete Garderobe hält die Korridorzone von Taschen, Jacken und Schuhen frei, sodass diese als Erweiterung der beiden Ess- und Aufenthaltsräume genutzt werden kann.

Bewährte Haustechnik

Im Schulgeschoss dient der Korridor hingegen zugleich als Garderobe. Optisch sind die beiden Stockwerke aber sonst identisch gestaltet: Hellgraue Linoleumböden und grosse, unbehandelte Holzflächen dominieren das Bild. Kontraste schaffen die in Rotorange gehaltenen Wandbereiche bei den Türen zu den Schul- und Betreuungsräumen. Die Türen selbst sind türkisblau gestrichen und sorgen so für einen zusätzlichen Kontrast. Raumhohe Fenster neben den Türen schaffen Sichtbezüge zwischen den Räumen und der Korridorzone. Ausserdem bringen sie zusätzliches Tageslicht in diesen Bereich. Die Temperierung und die Belüftung der Räume erfolgt mit der bewährten Technik, die auch in den anderen Modular-W-Holzbauten zur Anwendung kommt: Sogenannte Rio-Therm-Elemente unter den Fenstern ermöglichen es, in Kombination mit einer Luftwärmepumpe die Räume zu beheizen oder zu kühlen. Einen Teil des Stroms dafür produziert eine Potovoltaik-Anlage auf dem Dach. Kleine Ventilatoren in den Wandelementen neben den Zimmertüren sorgen für den Luftaustausch zwischen den Korridoren und den Schul- sowie Betreuungsräumen.

Die Räume gefallen

Die äussere Gestaltung des neuen Holzmodulbaus orientiert sich an den Bestandesbauten. «Ziel war es, das Gebäude möglichst gut ins Schulareal einzufügen», sagt Architektin Jeanette Vernale. Die weiss lasierte, vertikale Holzschalung beispielsweise nimmt den Farbton der anderen Schulhausfassaden auf, die graublaue Dachuntersicht findet sich auch beim benachbarten alten Schulhaus, und die ziegelroten Stoffstoren schaffen einen Bezug zu den sichtbaren Backsteinwänden des weiteren Schulgebäudes.

Der neue Holzmodulbau fügt sich optisch dezent ins Schulareal ein und gefällt auch der Nutzerschaft: «Die Räume werden sehr positiv beurteilt. Insbesondere die naturbelassenen Holzoberflächen sowie die kräftigen Farbakzente verleihen dem Neubau eine moderne und einladende Atmosphäre», sagt Projektleiterin Sonya Schwarz von der Gemeinde Meilen.

Projektdaten

Holzmodulbau, Primarschulhaus Feldmeilen, 2026
Höschstrasse 57, Meilen
Bauherrschaft:
Gemeinde Meilen
Architektur: Bauart Architekten und Planer AG, Zürich
Generalunternehmer Holzbau: Blumer Lehmann AG, Gossau SG
Baukosten (BKP 1-9): Fr. 5,5 Mio.

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