Alle drei Jahre führt der Schiebebeschlaghersteller Hawa Sliding Solutions einen Architekturwettbewerb für Studierende durch. Diesmal wurden Lösungen für Microliving-Appartements gesucht. Das Siegerprojekt setzt auf modular konzipierte, aus Holzelementen vorgefertigte Wohneinheiten.

Eine funktionale Einheit mit Küche und Nasszelle im Zentrum des Raums unterteilt die 23 Quadratmeter in unterschiedliche Zonen für Schlafen, Wohnen, Arbeiten.

Visualisierung: Nathalie Birkhäuser, Roman Venzin

In Zeiten von zunehmenden Single-Haushalten sind kleine Wohnungen mit gemeinsam nutzbarer Infrastruktur an zentraler Stadtlage vermehrt gefragt. Microliving nennt sich diese Form des Wohnens. Der private Rückzugsraum ist dabei auf ein Minimum reduziert. Dafür trifft man sich mit den anderen Bewohnern beispielsweise im hauseigenen Co-Working-Space, in der halbprivaten Lounge im Waschsalon oder auf der Dachterrasse. Ein Projekt mit Microliving-Appartements stand auch im Zentrum des fünften Hawa Student Awards. Unter dem Titel «Alleine zusammen wohnen» waren Architekturstudentinnen und -studenten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich eingeladen, ein fiktives Projekt mit 250 bis 300 Kleinwohnungen auf dem Areal des Busbahnhofs in Zürich zu entwerfen.

Betonschotten und Holzmodule

Den ersten Platz belegten Nathalie Birkhäuser und Roman Venzin von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie ordnen die Wohnungen in einem schlanken, 97 Metern hohen Hochhaus in der Südwestecke der Bauparzelle an. Ergänzt wird es durch ein zweigeschossiges, rechtwinklig dazu angeordnetes Gebäude, in dem unter anderem der Busbahnhof untergebracht ist. Das Hochhaus haben die beiden Studierenden modular ausgestaltet. Die 264 darin untergebrachten Microliving-Appartements mit jeweils 23 Quadratmetern Wohnfläche bestehen alle aus den gleichen Grundelementen: einem Wohnbereich mit kleiner Küche und einem zweiten Bereich mit einem Badezimmer und einer Schlafnische. Einzig zwei Einheiten pro Geschoss, die sich direkt neben dem zentralen Treppenhaus befinden, verfügen über ein weiteres Zimmer, sind ansonsten aber identisch ausgestaltet.

Der modulare Aufbau der Wohneinheiten ermöglicht eine einfache Vorfertigung mit Holzelementen.

Modular ist nicht nur das Grundprinzip der Wohneinheiten im Wettbewerbsprojekt, sondern auch ihre Konstruktion: Die Tragkonstruktion des Hochhauses mit 35 Geschossen besteht aus einer klassischen Beton-Schottenbauweise. Die Schotten haben jeweils einen Abstand von zehn Metern und laufen über drei Geschosse. Innerhalb der Schotten werden jeweils sechs komplett vorgefertigte Wohnmodule eingeschoben. Immer drei davon sind übereinandergestapelt. Dieses Konstruktionsprinzip ermöglicht einen einfachen und kurzen Bauablauf: Sobald das Betonskelett für jeweils drei Geschosse bereit ist, können die Wohnmodule mit dem Kran eingebracht und danach die Fassade mit den ebenfalls modular aufgebauten Fensterelementen geschlossen werden.

Laubengang als Begegnungszone.

Der schlanke Turm im Kontext.

Visualisierungen: Nathalie Birkhäuser, Roman Venzin

Weitere Informationen

Hawa Student Award: www.hawastudentaward.com
Sonderseite und Sonderheft von Hochparterre: www.microliving.hochparterre.ch

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