Um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Amsterdam entgegenzuwirken, haben Studierende die Wohngenossenschaft De Torteltuin gegründet: Daraus entstanden ist ein modulares Plusenergiehaus, das vielfältige Wohnformen und zahlreiche Gemeinschaftsräume bietet.

Fotos: Natrufied Architecture

Vor dem Hintergrund der europaweiten Knappheit an bezahlbaren Wohnungen etabliert sich nach und nach auch in Amsterdam das Genossenschaftsmodell, das sich in der Schweiz bewährt hat, um die Immobilienspekulation zumindest ein wenig einzudämmen. Die Amsterdamer Stadtverwaltung unterstützt dieses Modell, indem sie Grundstücke im Baurecht ausschreibt, um neuartige wohngenossenschaftliche Projekte zu fördern. In diesem Kontext haben Studierende die Genossenschaft «De Torteltuin» gegründet. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Natrufied Architecture konnten sie ein inklusives und ökologisches Wohngebäudes im neu heranwachsenden Stadtteil IJburg errichten. Das Projekt lässt eine soziale Utopie Wirklichkeit werden. Es bietet innovative und erschwingliche Wohnungen für verschiedenste Mieter und befindet sich mit dem Tram nur zwanzig Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Das modulare Bausystem war zentral für das Projekt, weil es die materialbedingten Emissionen reduziert, eine leichtere, präzisere Konstruktion ermöglicht, die Bauphase verkürzt und eine spätere Wiederverwendung begünstigt.

Wir haben eine Reihe von Workshops mit der gesamten Torteltuin-Gruppe organisiert, um die Grundlagen des Projekts zu schaffen.

Anja Verdonk, Architektin bei Natrufied

Partizipativ geplant

«Natrufied Architecture hat sich schnell als idealer Projektpartner für De Torteltuin erwiesen», meint Michiel Voskamp, Präsident der Genossenschaft. Das Büro verfügt über gut zwanzig Jahre Erfahrung im Bereich des ökologischen und modularen Holzbaus und hat bereits herausragende Projekte mit anderen Wohngenossenschaften realisiert. Es weiss, was partizipatives Planen bedeutet, und schätzt diese Form der Zusammenarbeit. «Wir haben eine Reihe von Workshops mit der gesamte Torteltuin-Gruppe organisiert, um die Grundlagen des Projekts zu definieren: Konzept, Gemeinschaftsbereiche, Lebensweise, Nachhaltigkeit, architektonische Gestaltung und Materialien», erzählt Anja Verdonk, Architektin bei Natrufied.

Ein Drittel sind Gemeinschaftsflächen

Rund vierzig Wohnungen unterschiedlicher Art sowie Gemeinschaftsräume sind Teil des Projekts. Die grössten Wohnungen befinden sich im Erdgeschoss; dann werden sie kleiner, je höher sie liegen. Sie sind auf beiden Seiten eines grossen Gemeinschaftsraums angeordnet, der sich über die gesamte Höhe und ganze Breite des Gebäudes erstreckt. Im Untergeschoss befinden sich eine Tiefgarage für Autos und Fahrräder sowie verschiedene Gemeinschaftsräume wie Lager, Werkstätten und ein Musikstudio.

Die gemeinschaftlichen Bereiche nehmen rund einen Drittel des Gebäudes ein und sind flexibel gestaltet, sodass sie sich gut an künftige Bedürfnisse anpassen lassen. Momentan gibt es eine grosse Gemeinschaftsküche, eine Bibliothek, einen Meditationsraum sowie einen Raum, der gross genug für Aufführungen und andere Veranstaltungen ist. Die Gebäudekörper umschliessen in ihrer Mitte einen Gemeinschaftsgarten, auf jeder Etage befinden sich gemeinsam genutzte Balkone, und es gibt begrünte Dachterrassen, die für alle zugänglich sind.

Pläne: Natrufied Architecture

Recyclingholz und Bambus

Während das Untergeschoss aus Beton sind, bestehen die vier Obergeschosse aus Holz: Böden und Wände, in denen die Fensterrahmen bereits integriert sind, sind aus vorgefertigten CLT-Holzplatten gefertigt, auch der Dachstuhl ist aus Holz. Das gesamte Material wurde direkt vom Werk zur Baustelle transportiert. Die vier Geschosse wurden innerhalb eines Monats errichtet, etwa eines pro Woche.

Die Fassadenverkleidung besteht im Erdgeschoss aus Bambus und in den drei oberen Geschossen aus recyceltem Holz. Dies verleiht dem Gebäude eine originelle architektonische Gestaltung, hat jedoch die Baugenehmigung etwas erschwert, da die Kombination neuartig und nicht normkonform ist. Es waren die Architekten und die künftigen Bewohner selbst, die die recycelten Holzelemente ausfindig gemacht haben. Die künftigen Mieter haben mit Unterstützung eines kleinen Holzbetriebs auch am Bau der Fassade mitgewirkt: Lernerfahrung inklusive.

Im Endeffekt produziert das perfekt gedämmte Gebäude dank seiner Photovoltaik-Module mehr Energie als es verbraucht. Thermische Solarkollektoren und eine mechanische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung machen das Gebäude unabhängig von der städtischen Fernwärme, an die es deshalb nicht angeschlossen ist. Auf dem Dach und auf den Balkonen befinden sich Speicher für das Regenswasser, mit dem die Gärten bewässert werden.

Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ziehen Ende Sommer 2026 ein und werden auch beim Innenausbau ihrer Wohnungen selbst Hand anlegen. Das Projekt hat somit seine wirtschaftlichen, ökologischen, partizipativen und sozialen Versprechen eingehalten. Und wenn man sich die Fassaden genauer ansieht, erkennt man, dass das Gebäude neben inklusiven Wohnräumen für Menschen sogar Nistkästen für Vögel bietet.

Projektdaten

Wohngenossenschaft De Torteltuin, 2026
Merdekagracht 180, Amsterdam NL
Bauherrschaft: Wohngenossenschaft De Torteltuin, Amsterdam NL
Architektur: Natrufied Architecture, Bergen NL
Nutzungskonzept: vierzig Wohnungen, acht Gemeinschaftsküchen, eine grosse Gemeinschaftsküche, eine Bibliothek, ein Spielzimmer, Gästezimmer, eine Werkstatt, ein Musikstudio, ein Veranstaltungsraum
Links: De Torteltuin, Natrufied Architecture

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