Der Kanton Zürich benötigt mehr Raum für Mittel-, Berufs- und Fachmittelschulen. Ein Teil davon muss rasch in Form temporärer Holzmodul-und Elementbauten realisiert werden können. Bauart Architekten haben dafür das 2016 von B.E.R.G. Architekten entwickelte Modulsystem überarbeitet und die Ausschreibung des Rahmenvertrags für einen Totalunternehmer durchgeführt.
Schulprovisorien Sekundarstufe II, Standortabhängige Holzmodulbauten. Beispiel Modulkatalog 2. OG
Dokument: Kanton Zürich, Baudirektion, Hochbauamt / Bauart Architekten und Planer AG
Neben den Modulen gehören beispielsweise auch Fassadenelemente, Lüftungsanlagen, Treppen, Türen, Fenster, Sanitärräume oder innere Abschlüsse dazu.
Seit Sommer 2024 betreibt die Kantonsschule Wiedikon einen zweiten Standort an der Güterstrasse in Zürich, direkt neben dem Gleisfeld der SBB. Das in Holzmodulbauweise, für eine temporäre Nutzung erstellte Gebäude basiert auf einem von B.E.R.G Architekten entwickelten System. Es soll dazu beitragen, den aufgrund des Bevölkerungswachstums stark gestiegenen Raumbedarf auf Sekundarstufe II zu decken. Diese umfasst die Mittel-, Fachmittel- und Berufsschulen. Bereits 2018 hatte der Kanton in Uetikon am See ein erstes Provisorium in Holzmodulbauweise für 500 Schülerinnen und Schüler in Betrieb genommen, das bereits fünf Jahre später erweitert werden musste. Den Bauten in Zürich und Uetikon werden weitere folgen: In den nächsten 25 Jahren rechnet die Bildungsdirektion des Kantons Zürich mit rund 6000 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern auf Sekundarstufe II. Da die zusätzlichen Schulbauten meistens bereits kurzfristig gebraucht werden, will man auch künftig auf temporär genutzte Holzmodulbauten zurückgreifen können. Diese bieten dieselbe hohe Bauqualität wie klassische Schulhäuser und erfüllen beispielsweise den Standard Minergie-Eco. Sie lassen sich aber wesentlich schneller realisieren und können später auch an anderen Standorten wiederverwendet werden.
Katalog mit 90 Bauteilen
Um die Temporärbauten bei Bedarf rasch realisieren zu können, schloss das Hochbauamt des Kantons Zürich mit Blumer-Lehmann aus Gossau SG als Totalunternehmer einen Rahmenvertrag für mindestens zwei temporäre Schulanlagen ab, die Platz für je rund 650 Schülerinnen und Schüler bieten. Mit der Erarbeitung der Ausschreibung und den Grundlagen des entsprechenden Rahmenvertrags hatte der Kanton Bauart Architekten beauftragt. Um die Ausschreibung effizient durchführen, später rasch die Kosten für die jeweiligen Bauten ermitteln zu können und eine hohe, auf den jeweiligen Ort abgestimmte architektonische Qualität sicherzustellen, entwickelte Bauart – basierend auf dem Konzept von B.E.R.G – ein massgeschneidertes Modulsystem. Dieses umfasst neben dem weiterentwickelten Grundmodul einen Katalog mit mehreren Dutzend Bauteilen. Dazu gehören beispielsweise Fassadenelemente, Treppen, Türen, Fenster, Sanitärräume, innere Abschlüsse und Komponenten der Gebäudetechnikanlagen. Für diese Elemente mussten in der Ausschreibung die Preise berechnet werden. Basis dazu bildet ein standardisiertes Raumprogramm, das mit minimalen Abweichungen an allen Standorten einheitlich umgesetzt werden soll. «So können anhand der Liste der benötigten Bauteile die Kosten relativ einfach und mit hoher Genauigkeit ermittelt werden», sagt Architekt Stefan Fuchs von Bauart.
Die Gestaltung der Bauten thematisiert bewusst den provisorischen Charakter. So dienen etwa die inneren Verkleidungen der Raumtrennungen direkt als fertige Wandoberflächen. Aussen wiederum sind die Modulstösse in den Fassaden durch zurückversetzte Fugen ablesbar. Ergänzt werden die Modulbauten durch ebenfalls temporäre Sporthallen. Diese wurden 2020/21 von pool Architekten aus Zürich im Rahmen einer separaten Ausschreibung entworfen und sind Teil des Rahmenvertrages für die neuen Schulanlagen. Als Weiterführung des Konzepts von pool Architekten für die provisorischen Sportbauten wird auch das Farbkonzept der Schulbauten für jeden Standort in einem gemeinsamen Prozess neu entwickelt. Das erste Schulhaus aus dem Rahmenvertrag wurde im August 2026 in Dübendorf in Betrieb genommen. Ein zweites mit Platz für 650 Schülerinnen und Schüler wird bis August 2028 in Affoltern am Albis realisiert.
So können anhand der Liste der benötigten Bauteile die Kosten relativ einfach und mit hoher Genauigkeit ermittelt werden.
Stefan Fuchs, Architekt, Standortleitung Büro Bauart Zürich
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