Das Stadterneuerungsprojekt Wood’Art in Toulouse beruht auf drei zentralen Prinzipien: modularem Holzbau, einem ambitionierten ökologischen Nachhaltigkeitskonzept und einer Mischnutzung, die Wohnen, Hotellerie und Gewerbe verbindet.
Eingang ins Ökoquartier: rechts das Hotel, links die Wohngebäude.
Foto: Aldo Amoretti
Wood’Art ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen der neu in Paris gegründeten französischen Niederlassung des Architekturbüros Dietrich Untertrifaller und dem Hauptsitz in Wien. Im Jahr 2017 hatte das Büro mit dem Projekt den nationalen Wettbewerb gewonnen, den die Association pour le Développement des Immeubles à Vivre Bois (Adivbois) ausgelobt hatte. Da das Projekt im südfranzösischen Toulouse realisiert wurde, schloss sich Untertrifaller für die Umsetzung mit dem lokalen Architekturbüro Seuil zusammen. «Dank gemeinsamer Workshops in Toulouse arbeiteten wir sehr harmonisch zusammen», sagt Christina Kimmerle, Partnerin bei Dietrich Untertrifaller.
Ein reichhaltiges Programm für ein gemischtes Viertel
Wood’Art umfasst 137 Wohnungen (davon 42 subventioniert) in zwei siebengeschossigen Wohnkomplexen, die mittels Passerellen miteinander verbunden sind, sowie zehngeschossiges Hotel mit hundert Zimmern, Läden und eine Tiefgarage.
Dieses neue Ökoviertel belegt im ehemaligen Industriegebiet Cartoucherie in Toulouse, wo bis 1996 Munition hergestellt wurde, eine Fläche von 13 565 Quadratmetern. Von den Backsteinfassaden der Bestandesbauten inspiriert, wurden die Wohngebäude mit roten Terrakotta-Platten verkleidet. Dahinter steckt aber eine Holzkonstruktion, die auf einem Betonsockel ruht und sich vom Hotelturm bis zu den angrenzenden Markthallen erstreckt. Zwischen Wohngebäuden und Hotelturm laden eine Fussgängerzone und öffentliche Bereiche zum Flanieren ein. Üppig begrünt stehen sie im Dialog mit den Fassaden, die vom Holz der Balkone und den roten Terrakotta-Platten geprägt sind.
Die grosse Herausforderung beim Projekt Wood’Art war, grosse Holzbauten wirtschaftlich zu realisieren. Letztlich gelang es diesen Anspruch zu erfüllen: indem man die architektonischen Qualitäten sorgfältig bewertete und durch eine Mischung aus marktwirtschaftlich finanzierten Wohnungen an den besseren Lagen des Komplexes sowie Sozialwohnungen und einem Hotel in einem günstigeren Bereich des Areals.
Fotos: Aldo Amoretti
Der Holzrahmenbau bietet eine grosse Flexibilität bei der Gestaltung von Wohnräumen. Die Wohn- und Schlafzimmer sind durch leichte, nicht tragende Trennwände abgetrennt und können daher relativ einfach vergrössert oder verkleinert werden.
Christina Kimmerle, Partnerin bei Untertrifaller
Technische und strukturelle Innovation der Gebäude
Um Kosten und Leistung zu optimieren, wurde der gesamte Überbau ab dem ersten Geschoss aus Holz konzipiert. Dieser innovative Ansatz förderte die enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft und Holzbauunternehmen und brachte eine Architektur/Baukonzept zutage, die sich für sehr unterschiedliche Programme eignet.
Die vorgefertigten Holzmodule für das Hotel sowie die Holzelemente für die Wohnungen haben dank ihrer spezifischen Materialeigenschaften eine hervorragende strukturelle und thermische Leistung. Da die Vorgaben bereits in der Entwurfsphase berücksichtig worden waren, war eine schnelle Ausführung möglich. So liessen sich die Unwägbarkeiten herkömmlicher Baustellen vermeiden und die Baukosten einhalten. Die Montage der Holzmodule jedes Gebäudes dauerte etwa sechs Monate.
Auf dem Betonsockel sind die Flächen entlang der Wege begrünt.
Foto: Aldo Amoretti
Nachhaltigkeit und Umwelt
Doch Wood’Art überzeugt nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch mit seinem ökologischen Ansatz. Im Projekt werden umweltfreundliche Materialien verwendet, und dank Vorfertigung, die den Abfall erheblich reduziert, hat es einen besonders niedrigen CO2-Ausstoss. Zudem sind die Brettsperrholz-Trennwände so konzipiert, dass sie langfristige Modularität ermöglichen. Dadurch können die Wohnungen künftig – ohne aufwendige Bauarbeiten – weiterentwickelt werden. Wie Christina Kimmerle erklärt, «bietet die Holzrahmenbauweise eine grosse Flexibilität in den Wohnräumen. Die Wohn- und Schlafzimmer sind durch leichte, nicht tragende Trennwände strukturiert und können daher relativ einfach vergrössert oder verkleinert werden. Die Grösse der Räume ist unabhängig vom Tragsystem und daher sehr flexibel».
Für den Schallschutz wurde eine zusätzliche Bodenschicht eingebaut, in der auch die Fussbodenheizung verlegt wurde. Diese ist an das Fernwärmenetz des Quartiers angeschlossen. Dieses System bietet gleichmässige Wärme und optimiert, da keine Heizkörper nötig sind, den Wohnraum. Mit einem Holzanteil von 76 Prozent trägt das neue Quartier nicht nur zur Nachhaltigkeit bei, sondern setzt auch einen neuen Massstab für eine Stadtplanung, die Wirtschaftlichkeit und architektonische Qualität vereint.
Schnitt
Pläne: © Untertrifaller
Projektdaten
Wood’Art, La Canopée, ZAC La Cartoucherie, Toulouse (FR), 2022
Bauherrschaft: Icade Promotion
Architektur: Dietrich Untertrifaller mit Seuil Architecture ORTE; Team: Florent Brosse, Jörg Fend, Martin Höck, Christina Kimmerle, Federico Silvestri, Christoph Teuschl, Iana Vicq
Wettbewerb: 2017 (ADIVbois), 1. Platz
Fläche: 13 565 m²
Programm: 137 Wohnungen (davon 42 subventioniert), Hotel mit 100 Zimmern, Läden, Parkplatz
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