Im ukrainischen Chernivtsi planen Aranchii Architects eine modulare Schule. Das Konzept verbindet flexible Lernräume mit Vorfertigung und einer Konstruktion, die langfristige Anpassungen ermöglichen soll. Damit könnte das Projekt beispielhaft für eine neue Generation von Schulbauten in der Ukraine stehen.
Die Ukraine steht vor einer gewaltigen Wiederaufbauaufgabe. Gleichzeitig bietet dieser Neuanfang die Chance, Gebäude anders zu denken: nachhaltiger, flexibler und stärker auf die Bedürfnisse von kommenden Generationen ausgerichtet. Das Projekt von Aranchii Architects setzt genau hier an. Vorgesehen ist ein Schulhaus, das moderne Unterrichtsformen mit einer modularen Bauweise aus vorgefertigten Bauteilen verbindet. Die eigentliche Innovation liegt dabei weniger im Material als in der Konstruktion. Die Schule basiert auf einem strukturellen Modul, das unterschiedliche räumliche Kombinationen ermöglicht.
Drei kompakte Baukörper – mit Klassenräumen für verschiedene Altersstufen sowie für den Sport – werden über einen zentralen gemeinschaftlichen Bereich miteinander verbunden. Das schafft klare Strukturen und lässt gleichzeitig Spielraum für Veränderungen – Räume können angepasst, erweitert oder anders genutzt werden, ohne dass die gesamte Gebäudestruktur neu gedacht werden muss. Was heute Klassenzimmer ist, könnte morgen ein Atelier, ein Gemeinschaftsraum oder etwas anderes sein.
Einmal mehr wird Modularität damit zum Nachhaltigkeitsprinzip: nicht nur möglichst ressourcenschonend bauen, sondern ein Gebäude so konzipieren, dass es möglichst lange nutzbar bleibt. Auch die Materialwahl folgt diesem Anspruch. Geplant ist die Umsetzung mit Brettschichtholz aus ukrainischer Produktion. Damit sollen lokale Ressourcen genutzt und Transportwege reduziert werden. Holz ist nicht nur ein konstruktives Element, sondern verbindet den Bau mit seiner Region.
Seit Kriegsbeginn wurden verschiedene Konzepte für modulare, schnell realisierbare Schulen entwickelt.
Lernen zwischen Architektur und Landschaft
Ein wichtiger Teil des Konzepts sind auch die Freiräume: Zwischen den drei Baukörpern entstehen geschützte Höfe, die als Aufenthalts- und Lernorte dienen. Sport- und Streetballfelder, Tischtennistische und ein Amphitheater ergänzen das Angebot.
Gleichzeitig verfolgt das Projekt einen ganzheitlichen ökologischen Ansatz. Wärmepumpen, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Regenwassernutzung und versickerungsfähige Flächen sollen den Ressourcenverbrauch reduzieren. Bestehende Bäume sollen möglichst erhalten und einheimische Pflanzen zur Förderung der Biodiversität eingesetzt werden.
Pläne: Aranchii Architects
Teil einer neuen ukrainischen Architektur
Aranchii Architects steht mit seinem Ansatz nicht allein da. Seit Beginn des Krieges haben verschiedene ukrainische Büros Konzepte für modulare und schnell realisierbare Schulen entwickelt – darunter IK Architects mit Vilna School, Zikzak mit Revival oder auch Sobchenko Architects. Die meisten dieser Projekte sind bislang erst Konzepte oder Prototypen. Spannend daran ist: Bis zur Umsetzung wird nicht nur darüber nachgedacht, wie schnell gebaut werden kann, sondern auch darüber, welche architektonische Qualität der Wiederaufbau hervorbringen soll. Das Chernivtsi-Projekt von Aranchii setzt dabei einen eigenen Akzent. Modularität wird nicht als günstige Übergangslösung verstanden, sondern als Möglichkeit, eine Schule dauerhaft an veränderte Anforderungen anzupassen. Vielleicht liegt darin die stärkste Idee des Projekts: Die Schule soll nicht einfach für eine bestimmte Zukunft gebaut werden. Sie soll sich verändern können, wenn sich die Zukunft verändert.
Projektdaten
Projekt für ein Schulzentrum in der Stadt Chernivtsi, 2025
29 Yevpatoriiska-Strasse / 3 Vasyl-Kozhelyanka-Strasse, Chernivtsi, Ukraine
Bauherrschaft: Departement für Stadtplanung und Architektur des Stadtrats von Chernivtsi
Architektur: Aranchii Architects, Kyiv
Fläche: 14 064 m²
Nutzung: Konzept für eine allgemeinbildende Sekundarschule