Der dreissig Meter hohe Holzturm des Origen Festival Cultural steht an der Wasser- und Kulturscheide zwischen Norden und Süden auf dem Julierpass, 2284 Meter über Meer.

Bild: Friedrich Boehringer

Es ist ein bulliger Klotz von dreissig Metern Höhe. Zehn Fünfecke von 2,5 Meter Kantenlänge stehen im Kreis. Je zwei Kanten zu einer Spitze zusammengefügt, was den Turm auf den ersten Blick wie ein Faltwerk erscheinen lässt. Die zehn Holztürme sind das Turmgerüst, in vieren sind die Treppen untergebracht, die die vier Geschosse erschliessen, in einem ein Lift, im Rest Toiletten und andere Nebenräume. Im Innern des Turms sitzt die runde Bühne, zehn Meter im Durchmesser, im zweiten Geschoss rundum die Galerie für die gut 200 Sitzplätze, in vier Reihen gestapelt, im dritten Stock gibt es Logen, und der Dachboden wird eine eigene kleine Spielstätte werden. Dort ist auch der Motor untergebracht, der an Ketten die Bühne heben und senken kann. Entworfen hat den Turm der Intendant des Festivals, Giovanni Netzer; das Tragwerk hat der Ingenieur Walter Bieler aus zwölf Zentimeter dicken Leichtholzplatten als Provisorium konzipiert. Denn in fünf Jahren wird das Theater abgebrochen werden, die Landschaft wieder so hergestellt, als sei da nichts gewesen. Bieler hat die Konstruktion so konzipiert, dass die zehn Türme sich ‹sozial› verhalten. Über den Fensterbrüstungen sind die einzelnen Türme miteinander gekoppelt. Diese Lösung braucht mehr Verbindungen, reduziert aber die Verankerungskräfte. Gebaut wurde der Turm von Enrico Uffer. Der Oberhalbsteiner Holzbauer hat Fichten aus dem ganzen Alpengebiet zusammengesucht, um daraus die 900 Holzteile in seiner Abbundhalle in Savognin zu zimmern. Ein Lastwagen führte sie auf den Pass. Die Transporte und auch der Bau wurden kunstgerecht als Theater inszeniert mit Lesungen aus den Turmgeschichten und mit einem kleinen Museum auf der Baustelle.

Weitere Informationen

Theaterturm Julier

Bauherrschaft: Nova Fundaziun Origen
Architektur: Giovanni Netzer, Riom
Ingenieur: Walter Bieler, Bonaduz
Lichtplanung: Serge Schmuki, Tokyoblue, Zürich
Bühnentechnik: Martin Hübscher, Excent, Hüttwilen
Tontechnik: Gernot Gögele, Rankweil ( A )
Umweltbegleitung: Nina von Albertini, Paspels
Holzbauer: Uffer, Savognin
Kosten: Fr. 2,8 Mio.

Film von Ruedi Bruderer (SRF 10.09.2017)